Dumpstern - Lebensmittel aus dem Müll

Zur Grundausstattung eines/einer erfahrenen Dumpster/in gehört ein Rucksack, reißfeste Sackerl, Handschuhe, Taschenlampe und guter Letzt noch der Schlüssel - der WEZ 2000 ist der Universalmüllraumschlüssel. Und schon befinden wir uns mitten in einer Grauzone. Der WEZ ist nicht frei erhältlich, es herrscht so etwas wie ein Ehrenkodex innerhalb der Branche, wenn es um das Nachmachen geht – genaue gesetzliche Regelungen gibt es aber nicht. Und es gilt: In den richtigen Kreisen ist es ein Kinderspiel an einen zu gelangen. Es dauert eine Weile, bis man das beste Zeitfenster entdeckt und es gehört, wie bei allem anderen, eine gewisse Übung dazu. Prinzipiell läuft es aber folgendermaßen ab: Circa eine Stunde nach Ladenschluss (wenn das Personal der Abendschicht die Räume verlassen hat) wird mit dem WEZ der Müllraum des Geschäfts aufgesperrt.

Es ist natürlich gewöhnungsbedürftig und man muss oft einen guten Magen haben. Den sobald man die Tür zum Müllraum öffnet, schlägt einem der typische Abfallgeruch entgegen und die Vorstellung, hier noch etwas Gutes zu finden, hält sich in Grenzen. Aber der Eindruck täuscht meist. Denn in den Bio-Tonnen ist oft sehr viel an genießbarem Obst und Gemüse. Laut einer Studie der BOKU werden täglich bis zu 45 Kilogramm Lebensmittel pro Filiale entsorgt. Nahrungsmittel, von denen sich manche Container/innen gänzlich ernähren können.

Am besten alles, was für gut befunden wird, hervor räumen und auf den Boden legen. Danach nimmt man sich was man möchte. Wichtig den Rest wieder zurück in den Container geben. Einerseits um anderen noch etwas zu lassen, andererseits um einfach keine Unordnung zu hinterlassen. Licht aus, zusperren und schon ist die Aktion vorbei.

Man bewegt sich hier aber in einer Art Grauzone. Sobald der Supermarkt die Nahrungsmittel in den Müll wirft, sind sie nicht mehr sein Eigentum. Müll hat rechtlich gesehen keinen Wert und daher kann bei Entnahme auch keine Anzeige erstattet werden. Es kann passieren, dass die Polizei die Daten aufnimmt, dass Verfahren wurde bis jetzt aber immer eingestellt. Illegal ist es, wenn das Schloss zum Müllraum aufgebrochen wird oder wenn der Schlüssel widerrechtlich nachgemacht wurde. Aber wie oben schon erwähnt, gibt es bei der Herstellung keine definitiven Regelungen. Als Dumpster/in befindet man sich auf einem schmalen Grat zwischen legal und illegal.

Dumpstern hat für beide Seiten seine Vorteile und daher wird es meist toleriert. Die Geschäfte zahlen weniger für die Müllabfuhr, wenn ihnen schon ein Teil abgenommen wird und drücken daher ein Auge zu. 

Dumpstern wurde in den letzten Jahren immer beliebter, die Community findet immer mehr Anhänger, weshalb auch hier mit Konkurrenz gerechnet werden muss. Es gibt auch schon Facebookgruppen von Dumpstern, alleine für Wien gibt es zwölf Dumpster-Gruppen, welche in Bezirken aufgeteilt sind. Auf diesen Seiten tauscht man sich mit anderen Dumpstern aus. Und man kann sogar Generalschlüssel erwerben, mit welchen man sich Zutritt zu Müllräumen der Supermärkte Wiens verschaffen kann. Einen Schlüssel für den Wiener Einheitszylinder (WEZ 2000), wie ihn die Müllabfuhr und die Feuerwehr verwenden, gibt es um 18 Euro, einen Zentral-Schlüssel (auch Z-Schlüssel oder Postschlüssel genannt) um acht Euro oder das Set um 25 Euro. Der Z-Schlüssel schließt sogar österreichweit, außer in Vorarlberg, doch der Wirkungsgrad des WEZ 2000 wird immer geringer, den Supermarktketten stellen immer öfter auf elektronische Zutrittssysteme um.